Antrag

 

zur Verleihung des Naturschutzpreises 2006 des Landes Brandenburg an den Verein „Interessengemeinschaft Löcknitztal e.V.“

 

 

 Einführung 

 

Der Verein und seine Vorläufer aus DDR-Zeiten haben sich vorrangig dem Schutz, der Pflege und der Erforschung des Löcknitztales zwischen Kienbaum und der Großen Wallbrücke bei Grünheide (Mark) verschrieben, darüber hinaus allgemein der Förderung des Naturschutzgedankens in der Region. Diese Bemühungen reichen bis in den Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück.

 

Noch um die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Tal des Tieflandbaches Löcknitz in voller Länge zwischen Kienbaum und Fangschleuse kleinteilig extensiv genutzt, vorrangig als Mähwiese, und zeigte so eine außerordentliche Mannigfaltigkeit in Flora und Fauna. Nur an den nassesten Stellen hatten sich Erlen- und Weidenbrücher behauptet, den Bachlauf säumten nur vereinzelte Erlen und Weidenbüsche, und das Tal bot überall die Möglichkeit des freien Blickes, präsentierte sich so als das  Ideal einer Landschaft, die durch harte Arbeit der Natur abgerungen worden ist, aber gleichwohl und gerade dadurch Tieren und Pflanzen der Offenlandschaften reichlich Raum und Lebensrecht ließ.

 

Dieses Bild änderte sich schon in den fünfziger Jahren zuerst allmählich, dann aber rasant. Durch Nutzungsaufgabe entwickelten sich aus den Blühwiesen über die verschiedenen Sukzessionsstadien wieder Erlen- und Weidenbrücher, so wie sie vor dem Eingreifen des Menschen bestanden hatten. Die Mannigfaltigkeit des Gebietes hinsichtlich der Arten der offenen, extensiv genutzten Wiesen verringerte sich dabei dramatisch. Unberührt davon blieb nur der Bach selber.

 

Damals hatten wir, eine kleine Gruppe von Naturfreunden, diese Veränderungen wohl bemerkt, aber zunächst in ihrer Bedeutung nicht voll erkannt. Dann haben wir jedoch versucht, die Entwicklung aufzuhalten und auf Teilflächen wieder umzukehren, zuerst unorganisiert mit gelegentlichen Mäh- und Entbuschungseinsätzen weniger Teilnehmer, dann aber mehr und mehr zielgerichteter, wie weiter unten geschildert wird.

 

 

Kurzbeschreibung des Gebietes

 

Das heutige NSG „Löcknitztal“ liegt am östlichen Berliner Stadtrand in einem etwa 13 km langen Niedermoor, durchflossen von der Löcknitz, die oberhalb von Kienbaum durch Zusammenfluss von Stobber und Mühlenfließ entsteht. Von Kienbaum bis unterhalb Fangschleuse fließt die Löcknitz damals wie heute frei mäandrierend und hat auf mehr als 20 Kilometer natürliche Uferstrukturen behalten. Einbezogen in das NSG sind anliegende Waldflächen und das 4 ha große Kesselmoor „Postluch“, das von einem bis etwa 1900 betriebenen Torfabbau überformt ist. Die Löcknitz fließt in Erkner in den Flakensee und entwässert über das Flakenfließ letztlich in die Spree. Eine ausführliche Beschreibung des gesamten NSG und seines Einzugsgebietes, seiner Geschichte, seiner naturräumlichen Ausstattung und seiner Flora und Fauna erfolgt bei Driescher & Gelbrecht (1996). Die umfangreichen Ergebnisse und Erfahrungen der Mitglieder der IG Löcknitztal flossen in vollem Umfang in diese Publikation ein.Das heutige NSG „Löcknitztal“ liegt am östlichen Berliner Stadtrand in einem etwa 13 km langen Niedermoor, durchflossen von der Löcknitz, die oberhalb von Kienbaum durch Zusammenfluss von Stobber und Mühlenfließ entsteht. Von Kienbaum bis unterhalb Fangschleuse fließt die Löcknitz damals wie heute frei mäandrierend und hat auf mehr als 20 Kilometer natürliche Uferstrukturen behalten. Einbezogen in das NSG sind anliegende Waldflächen und das 4 ha große Kesselmoor „Postluch“, das von einem bis etwa 1900 betriebenen Torfabbau überformt ist. Die Löcknitz fließt in Erkner in den Flakensee und entwässert über das Flakenfließ letztlich in die Spree. Eine ausführliche Beschreibung des gesamten NSG und seines Einzugsgebietes, seiner Geschichte, seiner naturräumlichen Ausstattung und seiner Flora und Fauna erfolgt bei Driescher & Gelbrecht (1996). Die umfangreichen Ergebnisse und Erfahrungen der Mitglieder der IG Löcknitztal flossen in vollem Umfang in diese Publikation ein.

 

 

Was macht das NSG Löcknitztal so besonders wertvoll?

 

Das Niedermoorgebiet des Tales wird fast in seiner gesamten Länge von Wald eingefasst, äußere anthropogene Einflüsse sind gering, nur Teile des Tals sind für Wanderer zugänglich, Verkehrslärm tritt kaum auf. Die Niedermoorbereiche wurden nie stark entwässert, wodurch es nicht zu der bekannten Torfzersetzung mit all ihren negativen Folgen kam. Früher angelegte kleine und flache Stichgräben sind nach 1960 zugewachsen. Dadurch bedingt sind auch gegenwärtig zahlreiche wertvolle Quellhorizonte entlang des gesamten Tales zu finden. Die weitgehend ungestörten hydrologischen Bedingungen und die damit verbundene nur geringe bis mäßige Torfsetzung sind Voraussetzung für die erfolgreiche Wiederherstellung von artenreichen Wiesen, u.a. mit verschiedenen Orchideenarten, durch das Pflegemanagement der IG Löcknitztal.

 

Die Löcknitz hat zwar eutrophe Wasserqualität, man findet aber im gesamten Bachlauf hochwertige Laichkrautgesellschaften. Sie hat fast durchgängig natürliche Ufer, der Vergleich mit alten Karten zeigt, dass sie auch gegenwärtig mäandriert. 6 fließgewässertypische (rheophile) Fischarten kommen in der Löcknitz vor (Hasel, Döbel, Aland, Rapfen, Gründling, Steinbeißer) (Fredrich & Wolter 1996).Die Löcknitz hat zwar eutrophe Wasserqualität, man findet aber im gesamten Bachlauf hochwertige Laichkrautgesellschaften. Sie hat fast durchgängig natürliche Ufer, der Vergleich mit alten Karten zeigt, dass sie auch gegenwärtig mäandriert. 6 fließgewässertypische (rheophile) Fischarten kommen in der Löcknitz vor (Hasel, Döbel, Aland, Rapfen, Gründling, Steinbeißer) (Fredrich & Wolter 1996).

 

Die durch die Biotopmannigfaltigkeit hohe Artenzahl an geschützten und bedrohten Pflanzen, genannt seien nur die vom Aussterben bedrohte Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica), die Wiesenorchideen Breitblättriges und Steifblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis & D.incarnata), Helmknabenkraut (Orchis militaris), Sumpf-Sitter (Epipactis palustris) und Großes Zweiblatt (Listera ovata) sowie die sehr reichhaltigen Bestände weiterer stark bedrohter Arten der quelligen Wiesen wie des Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta) und des Kahlen Frauenmantels (Alchemilla glabra). Interessant ist das gehäufte Vorkommen wärmeliebender Sippen an den Talrändern im Mittelteil des NSG (Ziebarth & Gelbrecht 1996).

 

Die Löcknitz und ihre Feuchtwiesen stellen wichtige Amphibienlebensräume dar, im Gebiet kommt die Glattnatter vor, bis in die 1960er Jahre wurden Kreuzotter und Sumpfschildkröte beobachtet, für letztere stellt das Gebiet einen potenziellen Wiederbesiedelungsraum dar.

 

Ornithologisch beeindruckt besonders die im Frühjahr an der Gesangsaktivität erkennbare Dichte an Kleinvögeln, insbesondere der röhrichtbewohnenden Arten wie verschiedene Rohrsänger und alle drei Schwirlarten sowie der Arten der offenen abwechslungsreichen Wiesen wie verschiedene Grasmücken, Neuntöter und Braunkehlchen. Gegenwärtig gibt es mindestens fünf Brutreviere des Kranichs. Für die in der näheren Umgebung mit mindestens 4 Brutpaaren ansässigen Fischadler ist die Löcknitz eine wichtige Nahrungsquelle, wenn im Sommer an den Wochenenden die Seen durch den Boots- und Badebetrieb stark gestört sind.

 

Das Tal mit seinem Umland stellt einen  einzigartigen Lebensraum für Schmetterlinge dar. So konnten bisher mehr als 650 sogenannte Großschmetterlingsarten nachgewiesen werden (KLIMA & CLEMENS 1992, GELBRECHT & ZIEBARTH 1996 sowie unveröffentlichtes Material). Das sind etwa 65 % aller Arten, die jemals im Land Brandenburg nachgewiesen wurden! Herausragend ist das Löcknitztal für den Erhalt von Populationen zahlreicher im Land Brandenburg gefährdeter Arten. So kommen gegenwärtig noch 12 Arten der vom Aussterben bedrohten Arten der Roten Liste Brandenburgs (GELBRECHT et al. 2001) vor, weitere 7 Arten sind gegenwärtig verschollen oder ausgestorben. Die gemähten Wiesen und die Uferzonen der Löcknitz sind Lebensraum für eine stabile Population des Großen Feuerfalters (Lycaena dispar), einer Art der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Auch die Stechimmenfauna weist viele Besonderheiten auf (FLÜGEL & SAURE 1993 ).  

 

 

Ziele der IG Löcknitztal

 

Die IG Löcknitztal ist mit einer Mitgliederzahl zwischen 10 und 20 Interessierten ein relativ kleiner Verein. Deshalb stellen wir uns als realistisches Ziel, die vorgefundenen und von uns geschaffenen Freiflächen im NSG Löcknitztal zu erhalten. Die Freiflächen sollen sich dabei mosaikartig mit Seggenriedern, Röhrichten und Bruchwäldern abwechseln. Der Bach soll mit seinen natürlichen Ufern erhalten bleiben und entsprechend seinem geringen Gefälle frei mäandrieren können. Mit dieser Zielstellung soll die auch gegenwärtig noch herausragende Stellung des Löcknitztales für den Erhalt vieler bedrohter Pflanzen- und Tierarten mit unterschiedlichsten Habitatansprüchen erhalten und partiell noch verbessert werden. In der Freizeit erfolgen auch weiterhin kontinuierliche Untersuchungen von Flora und Fauna des Löcknitztales, deren Ergebnisse in das Pflegemanagement einbezogen werden. Durch regelmäßige Exkursionen wird den Mitgliedern und interessierten Bürgern die Vielfalt des Löcknitztales erläutert.

 

Satzungsgemäß sind wir auch außerhalb des NSG Löcknitztal tätig. Vor Jahren haben wir regelmäßig am Karutzsee und am Löcknitzkanal in der Umgebung von Erkner gearbeitet, seit der Wende aber hauptsächlich im NSG „Moor am Triebschsee“, wo wir überwiegend bei Dauerfrost die wertvollsten Flächen entbuscht und gemäht haben. Damit haben wir entscheidend dazu beigetragen, dass Teile des Braunmoos-Kleinseggen-Moores, ein in hohem Maße gefährdeter Moortyp, als Freifläche erhalten geblieben sind.

 

 

Aktivitäten der IG Löcknitztal und ihrer Vorläufer

 

1977 bis 1990

 

1977 hatten wir, noch unorganisiert, einen ersten Antrag zur Ausweisung eines NSG im Löcknitztal an den Rat des Bezirkes Frankfurt/O. gestellt, allerdings mit wenig Echo. Mehr beachtet wurde dieser Antrag, nachdem im Winter 1978/79 durch die Staatsorgane ein Schwimmbagger in die Löcknitz eingesetzt worden war, der ohne jeden erkennbaren Sinn den abgesaugten Schlamm zu beiden Seiten 50 m weit in die Landschaft schoss, und damit nicht nur bei Naturschützern Proteste auslöste, sondern auch die Jäger vergrämte. Wir hatten dadurch als wichtige Unterstützer die Jagdgesellschaft gewonnen, die gesellschaftlich höher angebunden war als wir „armen Spinner“ vom inzwischen gegründeten Naturschutzaktiv Grünheide.

 

1981 wurde versucht, die im damaligen Kreis Fürstenwalde bekannten Naturfreunde und Naturschützer innerhalb der Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU) im Kulturbund der DDR zu vernetzen. Im März 1981 wurde ein Kreisvorstand gebildet, in dem die in verschiedenen Orten des Kreises vorhandenen Naturfreunde als Fachgruppen mit unterschiedlicher Ausrichtung zusammengefasst und vertreten waren. Durch die GNU bekamen wir Zugang zu ausgewiesenen Fachleuten, die uns halfen, die Naturausstattung unseres Gebietes vollständiger zu erfassen. So hatten wir am 13.06.1981 eine Exkursion in das Löcknitztal organisiert, die wissenschaftlich begleitet wurde durch Dr. Michael Succow, damals Bezirksvorsitzender der GNU Frankfurt/O., Günter Hamel, damals Vorsitzender des AK Heimische Orchideen und Klaus Böhmert, damals Sekretär der GNU Frankfurt/O. und ausgewiesener Feldherpetologe. Die Ergebnisse dieser Exkursion und das schon durch uns erarbeitete Material wurden in einem Konvolut von 21 Seiten zusammengefasst, welches die Schutzwürdigkeit des Tales eindrucksvoll unterstrich (Ziebarth 1981). Wir konnten unter anderem 85 Brutvogelarten und 20 Gastvogelarten und das noch nicht lange zurückliegende Vorkommen der Sumpfschildkröte dokumentieren, auf der Exkursion gelang der erste Nachweis der Glattnatter.

 

1982 entstand dann die Fachgruppe Interessengemeinschaft Löcknitztal bei der GNU aus Mitgliedern der Naturschutzaktive Grünheide und Erkner. Wir wurden 1983 als Anerkennung für das schon Geleistete und unsere Kompetenz vom Rat des Bezirkes zum Betreuerkollektiv des künftigen NSG „Löcknitztal“ berufen. Alle Materialien zur Antragstellung hatten wir schon längst erarbeitet und beim Rat des Bezirkes Frankfurt/O. eingereicht. Zur Beschleunigung hat die IG Löcknitztal im November 1983 eine Eingabe an den Rat des Bezirkes gemacht, und wir konnten uns auch der Unterstützung von Dr. Großer vom Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz versichern. Trotzdem dauerte es noch bis zum 22.03.1984, bis der Bezirkstag in seinem Beschluss Nr. 70 das Löcknitztal zwischen Kienbaum und der Großen Wallbrücke bei Grünheide auf 448 ha unter Schutz stellte, davon als eigentlich schutzwürdige Fläche 180 ha Niedermoor und die 4 ha des teilweise mesotroph-sauren Postluchs. Es ist festgeschrieben, dass die IG Löcknitztal bei Nutzungsänderungen zu konsultieren ist. Nur die in der Mitte des Gebietes liegende Kleinsiedlung Klein Wall, eine ehemalige Mühle, wurde ausgenommen. Auf Beschluss höherer Instanzen sollte nämlich in Kleinwall eine Forellenmastanlage errichtet werden, deren ökologische Folgen uns gegenüber bagatellisiert wurden. Durch Konsultation von Fachleuten und durch Literaturstudium konnte jedoch nachgewiesen werden, dass der Nährstoffeintrag von zweimal 80 Tonnen „produzierter“ Forelle die submerse Vegetation im Bach auf mindestens 3 km des Bachlaufes unterhalb der Anlage vernichten wird (ZIEBARTH 1984). Gegen den Inhalt dieses Papiers konnten die Verantwortlichen der Staatsorgane nichts vorbringen, wohl aber dagegen, dass der Autor es durch die Verteilung öffentlich gemacht hatte. Um den ökologischen Zustand der Löcknitz vor Inbetriebnahme der Forellenmastanlage zu dokumentieren, unterstützte uns zusätzlich Dr. Werner Pietsch, Dresden, durch die Aufnahme der submersen und bachbegleitenden Vegetation an 13 Stellen unterhalb von Kleinwall (PIETSCH et al. 1984).

 

Trotz oder gerade wegen unseres ständigen Opponierens wurde das Löcknitztal zum Ort und Thema eines Kreislandschaftstages am 17.10.1986. Dazu hatten wir eine vollständige Dokumentation der uns bekannten Naturausstattung vorgelegt (ZIEBARTH & ZIEBARTH 1986). In dieser war das bekannte Wissen über die Pflanzen, Vögel und Säugetiere aus unseren eigenen langjährigen Beobachtungen zusammengefasst, einschließlich der Ergebnisse von Molluskenaufsammlungen (64 Arten) (HALDEMANN 1983) und einer ersten Würdigung der Schmetterlingsfauna von Dr. Jörg Gelbrecht.

 

Auf dieser erfolgreichen Veranstaltung wurde zugesagt, dass unterhalb der Forellenanlage Makrophytenteiche im Sinne einer Pflanzenkläranlage eingerichtet werden. Tatsächlich wurden mehrere Becken freigeschoben, die allerdings zu klein waren und nicht bepflanzt wurden und keinen effizienten Rückhalt von Nährstoffen erlaubten. So war es keine Überraschung, als 1989 nach einem halben Jahr der Inbetriebnahme der Forellenmastanlage auf einer Strecke von 3 km jegliche Wasserpflanzen abgestorben waren. Selbst so robuste Vertreter wie die Gelbe Teichrose waren verschwunden. Auf dem Gewässergrund hatten sich dezimeterdicke Schlammmassen abgelagert, die von Grünalgen bewachsen waren. Glücklicherweise wurde der Mastbetrieb mit der Wende aus ökonomischen Gründen eingestellt, die Wasserqualität verbesserte sich wieder (GELBRECHT & DRIESCHER 1996) und die Makrophyten kehrten im besagten Abschnitt der Löcknitz zurück.

 

Dass wir mit unseren wissenschaftlich begründeten Einwänden gegen die Konzipierung der Forellenmastanlage keinen Erfolg hatten, versteht sich von selbst und war durchaus desillusionierend. Dennoch setzten wir unsere Arbeiten zur Biotoppflege im NSG fort. Wir konnten bis 1990 auf die beeindruckende Zahl von bis dato 3000 Stunden praktischer Biotoppflege zur Freihaltung der Landschaft bei unseren Arbeitseinsätzen verweisen, nicht nur durch uns alleine, sondern auch durch viele andere Menschen, die wir motivieren konnten. So kamen Helfer von den Jägern, den Anglern, von der Forstwirtschaft und von benachbarten Naturschutzgruppen. Aber auch ganz normale Bürger und auch Schüler waren dabei. Höhepunkte waren ein kreisoffener Arbeitseinsatz am 11. Januar 1987 mit 40 Teilnehmern und ein bezirksoffener Arbeitseinsatz am 14. Februar 1988 mit 65 Teilnehmern. Die Wiesen, die wir damals in Kraftakten wieder freistellen konnten, sind heute noch offen.

 

1991 bis heute

 

Den Zerfall der Kulturbundstrukturen durch die Wende 1989/90 hat die IG Löcknitztal recht gut überstanden. Zwar verschwanden eine Reihe unserer Mitstreiter ohne Abschied, und andere konnten wegen neuer beruflicher Belastungen nicht mehr so mitwirken wie vorher, aber der „harte Kern“ blieb erhalten, verstärkt durch neue kundige und engagierte Naturfreunde. Dem Zug der Zeit folgend gründeten wir uns am 9. März 1993 als Verein bürgerlichen Rechts „IG Löcknitztal e.V.“ neu, ohne die Kontinuität verloren zu haben. Seitdem setzen wir unsere Arbeit so wie früher fort: Wir machen zwei bis 4 Exkursionen im Jahr, je nach Jahreszeit mit Schwerpunkten im Ornithologischen oder Botanischen, in Sommer- und Winterarbeitseinsätzen sorgen wir dafür, dass die Freiflächen auch frei bleiben.

 

Auf Initiative der IG Löcknitztal und des Landkreises Fürstenwalde wurden unter Einbindung von Fachleuten, u.a. aus dem Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei im Forschungsverbund Berlin e.V., sämtliche bislang bekannten Erkenntnisse hinsichtlich Flora und Fauna, Wasserqualität und Entwicklungsgeschichte zum Löcknitztal und seines Einzugsgebietes zusammengetragen bzw. Daten erhoben und, initiiert durch unser Mitglied Dr. J. Gelbrecht, publiziert (DRIESCHER & GELBRECHT 1996). Auf dieser Basis wurde ein wissenschaftlich fundiertes Pflege- und Entwicklungskonzept erarbeitet, dass folgende Schwerpunkte beinhaltet (ZIEBARTH 1996, GELBRECHT et al. 1996):

  • Erhalt und Förderung von Freiflächen im Löcknitztal mit einem Flächenanteil von mindestens 20  %  sowie Erhalt und Förderung von angrenzenden Trockenrasen,

  • Langfristige Sicherung der bislang wenig gestörten Hydrologie im Einzugsgebiet der Löcknitz,

  • Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Löcknitz durch den Bau eines Fischpasses bei Klein Wall insbesondere zur Förderung der wertvollen rheophilen Fischfauna (FREDRICH & WOLTER 1996).

 

Um diese anspruchsvollen Ziele zu erreichen, wurden von Mitgliedern der IG Löcknitztal bewährte, aber auch neue Strategien angewandt bzw. entwickelt:

  • Fortführung der Arbeitseinsätze von Mitgliedern der IG Löcknitztal zur Freihaltung von Flächen auf der Basis einer flächengenauen Pflegerichtlinie (unveröffentlichtes Material),

  • Einbindung einer etwa 100-köpfigen Schafherde zur Landschaftspflege,

  • Einbindung von naturschutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen für ein Bauvorhaben der Gemeinde Grünheide (Mark),

  • Einbindung des Wasser- und Landschaftspflegeverbandes „Untere Spree“ für den Bau der Fischtreppe bei Klein Wall.

 

Die Umsetzung dieser Strategien wird im folgenden detaillierter dargestellt.

 

Arbeitseinsätze der IG Löcknitztal

 

Durchschnittlich etwa 10 Mitglieder der IG Löcknitztal bzw. interessierte Bürger nehmen jeweils an den alljährlichen 3-4 Wintereinsätzen (Entbuschung, Mahd) sowie ebenfalls 3-4 Sommereinsätzen (Mahd im August bis September) zur Offenhaltung der festgelegten Freiflächen im eigentlichen Tal und angrenzenden Halbtrocken- und Trockenrasen teil. Insgesamt leisteten wir seit Gründung der IG Löcknitztal im Jahr 1993 bis zum Jahr 2005 ungefähr 2500 Stunden aktiver Arbeit in der freien Natur. Oft konnten wir dazu auch interessierte Nichtmitglieder gewinnen.

 

Landschaftspflege durch Schafe

 

Den erreichten Anteil an Freiflächen hätten wir nicht halten können ohne eine etwa 100-köpfige Schafherde, die zwei Vereinsmitglieder auf Pacht- und Eigentumsflächen im Löcknitztal betreiben. Den Weidebetrieb stimmen wir im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde jährlich so ab, dass die empfindlichen Orchideenstandorte keinen Schaden nehmen. So kann auch das Mähgut zum Teil wirtschaftlich verwertet werden.

 

Naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen

 

1995 konnten wir erreichen, dass der naturschutzfachliche Ausgleich für ein größeres Bauvorhaben der Gemeinde Grünheide (Mark) im Löcknitztal realisiert wurde. Die Vorarbeiten haben Vereinsmitglieder 1995 und 1996 gemacht, sie suchten geeignete Flächen im Löcknitztal unterhalb von Kleinwall aus, die in der Verfügung der Gemeinde waren und hoffen ließen, dass sich wertvolle Biotope nach Entfernung der Holzgewächse entwickeln werden. Im Winter 1996/97 wurden die Flächen gerodet und im Sommer 1997 wurde zum erstenmal gemäht. Es sind auf 7 Teilflächen insgesamt 13 ha, die seitdem durch die Gemeinde jährlich im Spätsommer oder Herbst gemäht werden, die Verpflichtung der Gemeinde reicht (zunächst) über 20 Jahre. Die Erwartungen sind voll erfüllt, es hat sich eine reiche Wiesenflora entwickelt, und die Landschaft ist wieder „durchsichtiger“ geworden, was von uns erwünscht ist, weil der untere Teil des Tales in der „Spaziergängerzone“ des NSG liegt, mit einem gut begehbaren Weg am Talrand zwischen der Wallbrücke und Klein Wall.

 

Fischtreppe bei Klein Wall

 

2001 wurde ein von uns schon seit vielen Jahren angeregtes Projekt realisiert (vgl. auch FREDRICH & WOLTER 1996). In Klein Wall wurde eine Fischtreppe durch den Wasser- und Landschaftspflegeverband „Untere Spree“ errichtet, die in erheblichem Umfang durch den Naturschutzfonds des Landes Brandenburg finanziert wurde. Wasser- und Naturschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree waren kooperativ beteiligt. Jetzt ist wieder ein uneingeschränkter Faunenaustausch zwischen der oberen und unteren Löcknitz möglich. In den letzten Jahren wurde durch den Bau von Fischtreppen seitens des Wasser- und Landschaftspflegeverbandes auch die Durchgängigkeit zum Liebenberger See und zum Maxsee, die die Löcknitz speisen, wiederhergestellt.

 

Ausblick

 

2002 wurde das NSG Löcknitztal in der 1. Tranche durch das Land Brandenburg als FFH-Gebiet gemeldet. Hierdurch wird die Arbeit des Vereins gewürdigt, denn ohne unser Tun wäre das Tal heute ein einförmig bestocktes Erlen- und Weidenbruchgebiet.

Diese Ausweisung gibt uns auch bessere Möglichkeiten, zukünftig mögliche naturunverträgliche Veränderungen mithilfe des Verschlechterungsverbotes abzuwehren. Wir werden durch unsere Aktivitäten auch weiterhin zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung und zur Erforschung des Löcknitztales beitragen, um den überaus wertvollen Charakter des Gebiets langfristig zu erhalten.

 

 

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