Fische (Pisces)

 

An den Fischbestandserhebungen nahmen teil: Anika Brüning (IGB), Frank Fredrich
(Berlin), Jan Hallermann (IGB), Roland Krause (Berlin), Johannes Radinger (IGB) und
Christian Schomaker (IGB).


Im Rahmen des GEO-Tages der Artenvielfalt wurden am 04.Juni 2011 insgesamt sieben
Probestrecken unterschiedlicher Länge mittels Elektrofischfanggeräten auf ihre Fischartenzusammensetzung
hin untersucht:


                  - Sohlschwelle/Rausche Straßenbrücke Fangschleuse
                  - oberhalb Straßenbrücke Fangschleuse
                  - unterhalb Fischwanderhilfe Klein Wall
                  - Fischwanderhilfe Klein Wall
                  - oberhalb Fischwanderhilfe Klein Wall
                  - Kienbaum
                  - Liebenberger Graben


Die Beprobungen erfolgten in Abhängigkeit der Wassertiefe und Substratbeschaffenheit
teils watend, teils vom Boot aus. Auf einer Gesamtbefischungslänge von 955 m wurden
insgesamt 1302 Fische gefangen, die 15 einheimischen Arten angehörten.
Der Gesamtfang wurde stark von den eurytopen d.h. anpassungsfähigen, sich
strömungsindifferent verhaltenden Arten Barsch Perca fluviatilis (38,1%) und Plötze Rutilus rutilus (24,2%) sowie dem rheophilen, d.h. strömende Gewässer bevorzugenden Hasel Leuciscus leuciscus (16,7%) dominiert. Weitere Fischarten in abnehmender Abundanz waren Döbel Leuciscus cephalus, Aal Anguilla anguilla, Schleie Tinca tinca, Steinbeißer Cobitis taenia, Gründling Gobio gobio, Schlammpeitzger Misgurnus fossilis, Hecht Esoxlucius, Ukelei Alburnus alburnus, Aland Leuciscus idus, Karpfen Cyprinus carpio, Karausche Carassius carassius und Rotfeder Scardinius erytrophthalmus.
Gegenüber umfangreicheren Untersuchungen aus dem Zeitraum 2002-2006 fehlten
weitere 10 einheimische und 2 nicht einheimische Arten. Zu diesen zählen Rapfen Aspius
aspius, Stint Osmerus eperlanus, Blei Abramis brama, Güster Blicca bjoerkna, Giebel
Carassius gibelio, Zander Sander lucioperca, Bitterling Rhodeus amarus, Moderlieschen
Leucaspius delineatus, Dreistachliger Stichling Gasterosteus aculeatus und die
allochthonen Arten Graskarpfen Ctenophanryngodon idella und Regenbogenforelle
Oncorhynchus mykiss.
Das Fehlen dieser Arten bei den im Rahmen des GEO-Tages der Artenvielfalt
durchgeführten elektrofischereilichen Untersuchungen, ist in erster Linie auf einen zeitlich
bedingten geringeren Untersuchungsaufwand (befischte Streckenlänge!) zurückzuführen,
da in der Regel mit steigender Befischungsstrecke auch die Chance zunimmt,
individuenärmere Arten nachzuweisen. Graskarpfen und Rapfen wurden in der
Vergangenheit sporadisch im Mündungsbereich und im schiffbaren Abschnitt der Löcknitz
nachgewiesen. Beide Gewässerabschnitte wurden im Rahmen des GEO-Tages jedoch
nicht untersucht.
Bezogen auf das aus historischen Belegen erarbeitete ursprüngliche Fischarteninventar
der Löcknitz fehlen heute lediglich die Arten Barbe Barbus barbus, Quappe Lota lota und
Wels Silurus glanis. Die geringe Anzahl an Fehlarten ist dabei nicht zuletzt auf die
vorhandene hohe Habitat- und Strukturvielfalt zurückzuführen. So wechseln sich nahezu im gesamten Fließverlauf ruhig fließende Bereiche mit organischen Sohlsubstraten sowie

üppigem Makrophytenbewuchs und schneller strömende Abschnitte mit sandigen und

kiesigen Substraten ab und bieten damit Fischarten unterschiedlicher Laichsubstrat- und
Habitatpräferenzen geeignete Laich- und Aufwuchsareale.
Insbesondere die schnell fließenden Bereiche, wie z.B. unterhalb der Fischwanderhilfe
Klein Wall und der Sraßenbrücke Fangschleuse, aber auch die Fischwanderhilfe Klein Wall
selbst, wird von rheotypischen Fischarten wie Döbel und Hasel besiedelt.
In ruhigeren Abschnitten mit limnischem Charakter, wie dem Bereich um Kienbaum und im Liebenberger Graben, waren ihre Anteile zugunsten limnophiler, d.h. stehende Gewässer bevorzugender Arten sowie strömungsindifferenter Arten geringer.
Hervorzuheben ist der Fang von insgesamt 18 Schlammpeitzgern sowie 32 Steinbeißern.
Beide Arten werden im Anhang II der Fauna- Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie geführt. Auch
die in der Roten Liste der BRD als stark gefährdet geführte Karausche konnte
nachgewiesen werden.


Christian Schomaker, Juni 2011

 

 

 

 

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