Wiesen am Karutzsee

 

Die Wiese am Karutzsee, Gemarkung Erkner, Flur 5, Flurstück 100, ist insgesamt 2,2 ha groß. Sie wurde früher, also vor der Wende, kleinteilig durch private Nutzer regelmäßig gemäht, wenn auch seit den 70er Jahren mit abnehmender Intensität. Sie ist durch zwei alte Entwässerungsgräben in drei unterschiedlich große Teile zerschnitten.

 

Der größere Teil im östlichen Bereich, der früher teilweise als Liegewiese genutzt wurde, war eine reich blühende Frischwiese mit zahlreichen bedrohten Arten, im Zentrum damals schon mit einem markanten Busch, botanische Besonderheit war das Vorkommen von Bergwiesen-Frauenmantel, Alchemilla monticola, als montane Art eine absolute Rarität im Flachland, 1989 nach Rainer Ziebarth schon auf eine Fläche von etwa 5 m2 zurückgegangen. Bis heute hat sich dieser Teil der Wiese stark verändert, der Mittelbusch hat sich in seiner Fläche mindestens verzehnfacht, einige Erlen sind aufgekommen, obwohl die Teilfläche im Wesentlichen noch gehölzfrei geblieben ist, aber der Blühreichtum hat stark nachgelassen, weil jetzt Seggen dominieren, und vor allem weil große Flächen von Brennnessel überwuchert sind. Ein kleines Stück an der ehemaligen Badestelle wird offenbar von einem privaten Nutzer noch gemäht, dort findet man immer noch den Bergwiesen-Frauenmantel.

 

Der westliche Teil der Wiese, ein schmaler Streifen angrenzend an den Kurpark, war immer eine normale Wiese, mehr trocken als feucht, auch mit vielen bestandsbedrohten Pflanzen, aber ohne botanische Besonderheiten.

 

 Ganz anders der Mittelteil der Wiese, begrenzt durch zwei Entwässerungsgräben, die mit Erlen bewachsen sind. Sie zeichnete sich seit den 80er Jahren durch eine durchgängig niedrige Vegetation aus, durch die jahrelange extensive Nutzung bedingt, mit einem reichen Vorkommen an Orchideen, besonders an Breitblättrigem Knabenkraut Dactylorhiza majalis, hier sind durch Erfassungen von Rainer Ziebarth für 1985 135 blühende Exemplare belegt, 1986 dann 170, 1989 waren es 200, und 1990, bei der letzten Zählung bevor die Wiese dann nicht mehr gemäht wurde, waren es 230 blühende Exemplare, mit Ausbreitungstendenz auf die angrenzenden Wiesen.

 

Auch die seltene Orchidee Steifblättriges Knabenkraut Dactylorhiza incarnata trat in wenigen Exemplaren auf, gleichfalls das Große Zweiblatt Listera ovata und sogar, als steriles Exemplar, das sehr seltene Helm-Knabenkraut Orchis militaris. Auch Bach-Nelkenwurz Geum rivale, die Gewöhnliche Natternzunge Ophioglossum vulgatum, der Kleine Baldrian Valeriana dioica, die Kuckucks-Lichtnelke Lychnis flos-cuculi, der Schlangen-Knöterich Bistorta officinalis und der Wassernabel Hydrocotyle vulgaris waren mit reichen Vorkommen vertreten, das ist nur eine Auswahl der bestandsbedrohten bzw. geschützten Pflanzen, die hier nachgewiesen wurden.

 

Nach der Wende kam besonders auf der mittleren Wiese ein Erlenbruch auf. Gerhard Ziebarth fand in den Jahren um das Ende der neunziger Jahre herum auf lichteren Stellen in diesem neu entstandenen Erlenwald immer wieder noch wenige Exemplare von D. majalis. 2004, nach jahrelanger Nichtnutzung, wurden von Rainer Ziebarth nur noch 1 Exemplar von D. majalis gefunden, die Wiese war inzwischen von einem haushohem Jungerlenbruch überwachsen.

 

Schon 1982 wurde von Gerhard Ziebarth, seinerzeit Kreisvorsitzender der Gesellschaft für Natur und Umwelt im Kreis Fürstenwalde, die Situation dieser Wiese, die schon damals durch Auflassung gefährdet war, mit Herrn Fritsche, dem Naturschutzsachbearbeiter bei Rat der Kreises Fürstenwalde, und mit Herrn Peter, dem Kreisnaturschutzbeauftragten, besprochen, es wurde ihnen vorgeschlagen, dass dieser Teil der Wiese als Naturschutzfläche ausgewiesen und regelmäßig gemäht werden sollte. Dieser Vorschlag hatte natürlich keine Folgen.

 

Am 26.04.1984 war in Erkner ein Naturschutzaktiv entstanden, das sich mit der Erfassung der Naturausstattung in und um Erkner beschäftigte, aber auch durch Arbeitseinsätze auf noch erhalten gebliebenen Wiesenflächen aktiven Naturschutz betrieb. So wurde auch die Wiese am Karutzsee seit September 1986 bis 1989 jeweils im Spätsommer gemäht, natürlich mit Handsense! Dadurch wurde der wertvolle Status der Wiese noch einige Jahre aufrechterhalten.

 

Vor der Wende und auch danach ist es nicht gelungen, die Wiese auch durch kommunale Aktivitäten pflegen zu lassen, das führte zu Frustrationen, und die Mitglieder des Naturschutzaktivs Erkner konzentrierten sich auf ihre Arbeit in der IG Löcknitztal, die Naturschutzarbeit fand dann im NSG Löcknitztal und in einigen Jahren auch im NSG Moor am Triebschsee statt.

 

Nach langer Vorbereitung gelang es 2005, mit der Unterstützung durch die UNB des Landkreises mit Landesmitteln die Wiese komplett freizustellen, sie war danach wieder für eine Mahd bereit. Vereinbart war mit der Stadt Erkner, dass in ihrer Verantwortung die Flächen regelmäßig gemäht werden wird. Das wurde aber nicht realisiert, weil es Probleme mit dem Flächeneigentum gab.

 

So kam es wie es kommen muss: die Sukzession schlug erneut wieder zu, und nach 5 Jahren war alles wieder wie zuvor, ein veritabler Erlenbruch war entstanden, auch die anderen Flächen fingen an zuzuwachsen, und nur vereinzelt konnte durch Gerhard Ziebarth in den wenigen offen gebliebenen Stellen noch Orchideen gefunden werden.

 

Neue Bemühungen der UNB des Landkreises mit Unterstützung durch Gerhard Ziebarth, der auch für eine positive Pressearbeit sorgte, führten schließlich 2010 zu der Regelung, dass es eine erneute Initialpflege durch den Wasser- und Landschaftspflegeverband "Untere Spree" gab, die Stadt Erkner verpflichtete sich jetzt verbindlich und schriftlich, die so freigestellten Wiesen eigenverantwortlich jährlich zu mähen. Inzwischen war klar, dass die Stadt der Eigentümer der Flächen ist. Die Initialpflege ist 2011 erfolgt, im wesentlichen Entbuschung und Entholzung aber auch schon Mahd auf einer Teilfläche, insgesamt wurden 0,37 ha entbuscht und entholzt und 0,56 ha gemäht, daraus ergibt sich die Verpflichtung der Stadt, 0,93 ha jährlich zu mähen und zu beräumen.

 

Der See selber war seit Mitte der 80er Jahre durch übergelaufende Abwassersammelbehälter der angrenzenden Wohnbebauung mehr und mehr verschlammt, 1992/93 wurde er entschlammt, der Schlamm wurde auf einer nahen Wiese abgelagert, dort verblieb er entgegen den Absprachen, so dass diese damals hochwertige extensiv genutzte Wiese heute mit einem Bruchwald überwachsen ist, der schon wieder seinen eigenen Wert erreicht hat. Der See jedenfalls, der 1990 kurzzeitig bereits „umgekippt“ war, hat dadurch wieder eine gute Wasserqualität erreicht, man könnte baden, aber niemand tut es, er ist an einen Fischereibetrieb verpachtet und wird auch beangelt. Er entwickelt sich mehr und mehr zu einem Herbst- und Winterquartier für zahlreiche Enten, und es brüten seit einigen Jahren regelmäßig Schellente, Tafelente, natürlich zahlreich Stockente sowieso und Graugans in den breiten Schilfgürteln.

 

Wenn auch der Verein hier nicht mehr aktiven Naturschutz durch Arbeitseinsätze macht, ist doch durch die Aktivitäten der Mitglieder ein Punkt erreicht, der Hoffnung macht, dass die ehemalige Wertigkeit als Orchideenstandort in wenigen Jahren wieder erreicht werden kann.

 

Dazu müssen die Wiesen in jedem Jahr gemäht werden, die Biomasse muss entfernt werden. So gibt es keine weitere Verbuschung, die Verfilzung durch abgestorbenen Pflanzenreste, die besonders auf Wiesen mit Seggenbeständen eintritt, wird verhindert und dadurch die geschützten Blütenpflanzen gefördert, und die Wiese wird nährstoffärmer, man nennt es Aushagerung, und dadurch werden besonders solche konkurrenzschwachen Pflanzen wie Orchideen gefördert.

Auf dem Ostteil der Wiese ist zwischen dem großen Busch und der Erlenreihe in dem ehemaligen Entwässerungsgraben eine Erlengruppe stehengeblieben, offenbar wegen des damaligen hohen Wasserstandes wurde sie vom Wasser- und Landschaftspflegeverband stehen gelassen, die sollte auch noch entfernt werden.

Größere Teile aller drei Wiesenteile sind von Brennnessel bewachsen, die Brennnessel ist gegen eine mehrmalige Mahd in einer Vegetationsperiode sehr empfindlich, eine Entnahme dieser Pflanze entfernt auch sehr effektiv den im Boden gebundenen Stickstoff.

 

Die Mahd muss, wenn sie wirksam sein soll, nicht zu früh erfolgen, also erst ab Mitte August, wenn die meisten Blütenpflanzen bereits Samen gebildet haben, aber auch nicht zu spät, also bis etwa Ende September, denn sonst sind die Nährstoffe, die ja entfernt werden sollen, bereits wieder im Boden. Auch die in den ersten Jahren nach Aufnahme der Pflege aus den Erlenstümpfen aufkommenden Triebe lassen sich effektiv nur in der Hauptvegetationsperiode entfernen.

 

Es wird sicher nötig sein, jährlich darauf zu achten, dass die Verpflichtung der Stadt auch erfüllt wird, und rechtzeitig auf Versäumnisse hinzuweisen, auch sollte die Wirksamkeit der Maßnahmen in jedem Jahr verfolgt und dokumentiert werden.

 

Seit 2012 wurde die Wiese, auf der schon wieder zweijährger Erlenaufwuchs aufgetreten war, unter der Regie des Wasser- und Landschaftspflegeverbandes "Untere Spree" gemäht und die Biomasse zeitnah abgefahren.  Die durch diese grobe Technik stehengebliebenen Stümpfe und auch ein Rest größerer Erlen hat der Verband dann im Februar 2013 entfernt, so dass die Wiese  zur Mahd im  Sommer bereit war. Seitdem und bis auf Weiteres wird die Wiese im Auftrag der Stadt Erkner durch den Verband gemäht. Das wurde auch 2017 wieder realisiert .

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