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Erkner, 26.12.2020

 

Liebe Mitglieder und Freunde der IG Löcknitztal,

 

ich wünsche allen nachträglich ein gutes und frohes Weihnachten, und dann ein hoffentlich gesundes Neues Jahr!

 

In diesem vom Corona-Virus geplagten Jahr war ja alles anders. Konnten wir unsere Jahresversammlung im Januar noch wie sonst auch immer abhalten, so kamen bei der Planung unserer Arbeitseinsätze schon Bedenken auf: die haben wir für uns zerstreut mit der Annahme, dass bei unserer Arbeit im Freien und leicht einzuhaltendem Abstand kein Risiko der Ansteckung vorhanden ist, und so haben wir alle unsere Einsätze durchgeführt. Mein Vorschlag war dass wir keine Transporte mehrerer Mitstreiter in einem PKW machen, wegen der  dann erhöhten Ansteckungsgefahr, dadurch wurde es einigen unserer treuesten Mitkämpfer nicht möglich dabei zu sein. Und auch unsere traditionellen Veranstaltungen, unsere Vogelstimmenführung und die botanische Wanderung, sowie die Exkursion nach außerhalb fielen der Corona zum Opfer.

 

Ich hatte ja gehofft dass zum Jahresende die Lage wieder freundlicher sein wird, und hatte den Fototag immer im Visier, aber so war es nicht, sondern im Gegenteil, wie die Fachleute vorhergesagt hatten, flammte die Pandemie zum Jahresende noch so richtig auf, und es ist auch kein Ende abzusehen, die Hoffnung durch die Impfung wird sich die Lage schnell stabilisieren ist wohl trügerisch, es wird dauern.

 

Und so muss ich heute zu meinem Bedauern unsere Jahresversammlung erstmal absagen, und hoffe, dass wir sie im Laufe des Jahres nachholen können, das ist auch nicht kritisch, denn wir müssen in diesem Jahr keine Wahlen durchführen.

 

Und ich fürchte dass auch ein eventueller Wintereinsatz unter das Verdikt der Corona-Einschränkungen fallen wird. Wenn sich die Lage zum Sommer stabilisiert hat werden wir wieder mit den Einsätzen anfangen, und eventuell dann eben mal nicht 6 sondern 7 oder 8 Einsätze machen, um den ausgefallenen Wintereinsätze nachzuholen, das werden wir sehen und auch besprechen können.

 

Und so beschränkt sich mein Tätigkeitsbericht, den ich sonst bei unserer Jahresversammlung vorgetragen hätte, in Wesentlichen auf die Ergebnisse der Arbeitseinsätze, die ja allen bereits im Laufe des Jahres zugestellt wurden, und die ich hier, nur leicht abgewandelt, wiederhole.

 

Angefangen haben wir im Winter auf der von uns so genannten Wiese bei Schmalenberg, wo sich sechs Teilnehmer, davon 4 Vereinsmitglieder und zwei Freunde des Vereins, am 15. Februar 2020 um 9 Uhr trafen. Diese Wiese, eigentlich Teil des Flächenausgleichs Grünheide Ortsmitte, war vor Jahren weitgehend mit Erlen und Weiden zugewachsen. Wir haben in den letzten Jahren die Gehölze auf etwa 1500 m2 entfernt, so dass es jetzt möglich ist mit Motorsensen zu mähen.

Trotz der bescheidenen Teilnehmerzahl gelang es bei sonnigem Wetter die von uns kultivierte Fläche vollständig zu Mähen und zu Beräumen. Der Einsatz wurde von Frau Elke Lang von der MOZ begleitet, daraus ist ein kleiner Artikel entstanden der am Montag in der MOZ zu lesen war, plus einem Foto der Teilnehmer.

 

Unser erster Sommereinsatz am 18. Juli auf der Haase-Wiese bei Kleinwall war ein voller Erfolg. 8 Vereinsmitglieder und 8 Freunde des Vereins, dabei nicht nur unsere ständigen Unterstützer sondern auch neue Interessenten trugen dazu bei, dass die Wiese gemäht und beräumt werden konnte, drei Freunde mit Motorsensen und 13 Abräumer hatten keine Mühe das Ziel zu erreichen.  Bemerkenswert ist die verstärkte Präsenz  von Succisa pratensis, wichtig für den Bestand des Goldenen Scheckenfalters.

Unser Einsatz wurde von einem Team des RBB dokumentiert, das gerade einen Film über Schmetterlinge dreht,  in dem das Löcknitztal stark vertreten ist. Den werden wir nicht versäumen wenn er gesendet wird.

 

Bei unserem Einsatz am 1. August haben wir die Doppelwiese gemäht und abgetragen, außerdem wie immer auf der benachbarten kleinen ursprünglichen Wiese die Standorte der Iris sibirica  vom Erlenaufwuchs freigeschnitten, es wurde auch ein sehr gut ausgebildeter Fruchtstand gefunden. Es haben 6 Vereinsmitglieder und drei Freunde des Vereins teilgenommen, mit zwei Motorsensen konnte die Fläche freigeschnitten werden. Auf die benachbarte Fläche der Großen Kienbaumer Wiese sind wir nicht mehr gegangen, das war vor allem der Hitze geschuldet. Zum Abschluss haben wir noch ein Neuntöter-Weibchen gesehen. Das Wirken der Biber ist überall zu erkennen, an der Wühltätigkeit, aber auch daran dass im Schilfrandstreifen alle Erlen niedergemacht sind.

 

Bei unserem Einsatz am 15. August auf der Großen Kienbaumer Wiese konnten wir mit 10 Mitstreitern, davon 4 Vereinsmitgliedern, die Wiese bis auf wenige kleine Inseln vollständig mähen und beräumen. Wir waren nur drei Motorsensenführer, zur vollständigen Räumung dieser Wiese hätten wir vier benötigt, und dazu mindestens 10 Personen die abtragen, so eine Beteiligung erreichen wir ja wie bekannt nicht bei jedem Mal. Im nächsten Jahr werden wir  darauf achten dass die wenigen stehen gebliebenen Inseln zuerst gemäht werden.

 

Unser Einsatz am 29. August auf der Succisa-Wiese war ein voller Erfolg. Schon am Freitag hatte Jörg Gelbrecht, der Kenner der Art Goldener Scheckenfalter, an deren Wiedereinbürgerung wir mitarbeiten, eine zentrale Fläche die für diesen Falter wichtig ist  vorsichtig gemäht und das Mähgut abgeharkt, und am Sonnabend konnten wir mit einer Rekordbeteiligung von 19 Teilnehmern, davon 5 Vereinsmitglieder, die gesamte Fläche der Wiese einschließlich randlicher Hochstaudenfluren mähen und abtragen, ein kleiner Anteil wurde auch als Viehfutter abgefahren. Wir konnten mit fünf Motorsensen arbeiten, und die hohe Anzahl der Helfer reichte aus um alles zeitnah  abzutragen. Wir sind dankbar über die Hilfe von der Siedlung Möllensee, unsere jahrelangen Kontakte, sie reichen ja bis in die DDR-Zeit hinein,  sind nie abgerissen, und zu diesem Einsatz waren 9 Helfer von dort erschienen, die sich mit Freude an frischer Luft für  eine gute Sache einen Sonnabendvormittag eingesetzt haben.

 

Unser Einsatz am 12. September auf der Grabenwiese war dank der guten Teilnahme sehr erfolgreich. Mit drei Mähern und neun Abträgern haben wir die komplette östliche Seite der Wiese, wo auch die Schwerpunkte des Vorkommens von Dactylorhiza majalis, des Breitblättrigen Knabenkrauts, sind, gemäht und beräumt. In voller Länge sind wir bis zu dem löcknitznahen Bereich der Wiese, den wir noch nie gemäht haben, vorgedrungen, und der Unterschied in der Wuchshöhe wurde sichtbar und war frappant: ein Erfolg unserer jahrelangen Aushagerung, die ja gerade die konkurrenzschwachen Blüher wie eben auch die Knabenkräuter fördert. Wir halten auch die Augen bei der Arbeit offen, und so konnten wir eine Tigerspinne und die Raupe des Brombeerspinners entdecken.  Auf dieser Wiese  gab es am 29.10. noch einen Einsatz von unserem Freund Jörg Gelbrecht, der mit 7 Interessenten weitere Teile gemäht hat, darunter vor allem die an den Graben angrenzende Fläche, die auch ein gesonderter Orchideenstandort ist.

 

Der letzte Einsatz führte uns am 26. September 2020 auf die sogenannte Randwiese, diese Wiese in der  Nähe der Großen Wallbrücke haben wir in den Jahren vor 2010 von Kiefern und Erlen befreit und später auch einigemal gemäht. Seit drei Jahren haben wir sie wieder in unser Programm aufgenommen und damit etwas für die weitere Etablierung der Prachtnelke getan, die im Löcknitztal  ja nur auf den Wiesen zu finden ist, die unterhalb von Kleinwall liegen. Die letzte dokumentierte Beobachtung der Prachtnelke war bei unserer botanischen Exkursion am 31. Juli 2005, damals stand die Prachtnelke auch an anderen Wiesen weiter löcknitzaufwärts jeweils in den Randzonen, und auf der Succisa-Wiese war ein kleines Vorkommen mitten auf der Wiese, das sich inzwischen aber durch unsere Mäharbeiten stark ausgebreitet hat.

Mit kleiner Besetzung, 4 Vereinsmitglieder und zwei Freunde des Vereins, konnten wir mit zwei Mähern und vier Räumern die ja nur kleine Wiese im Laufe des Einsatzes mähen und räumen.

Mit fachkundigem Blick wurde auch wieder eine auffällige Raupe gefunden: die Raupe des Buchen-Streckfußes, Calliteara pudibunda, die gelbe Form einer Spinnerraupe, es gibt auch noch eine rote Form.

 

Im Ergebnis hatten wir 2020 insgesamt 40 (39) Teilnehmer an unseren Arbeitseinsätzen, davon 11 (17) Vereinsmitglieder und 29 (22)  Gäste, und es ergaben sich 84 (73) Tagesteilnahmen. Bei einer Veranschlagung von 3 Stunden pro Person und Einsatz sind das 252 (219)  Arbeitsstunden (in Klammern die Zahlen von 2019).

 

Mit einer leichten Vergrößerung der Zahl der  Arbeitsstunden ist es uns also wieder gelungen, alle unsere Flächen zu mähen, insbesondere die, welche durch den Vertragsnaturschutz honoriert werden.

 

Am 12. Juni 2020 war ich auf der Grabenwiese und habe die blühenden Dactylorhiza  majalis gezählt. Ich bin auf 1063 Exemplare gekommen.

 

Als weitere Aktivität ist noch zu bemerken, dass im Auftrag unseres Vereins durch eine Moorraupe, also ein geländegängiges Fahrzeug mit robustem Mähwerk, nach einjähriger Pause wieder vier Wiesen erneut gemäht wurden, zusammen etwa 2,5 ha, um Freiflächen zu erhalten, auch in der Erwartung, dass sich der Bestand an Dactylorhiza majalis, also Breitblättrigem Knabenkraut, vergrößert.

 

 

Liebe Mitglieder und Freunde,

die Pandemie wird nur langsam weichen, aber dass sie weicht ist sicher, und so wird sich auch unser Vereinsleben wieder normalisieren!

 

Das hofft der Vereinsvorsitzende

Gerhard Ziebarth 

 

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