Bericht

über unsere Vogelstimmenexkursion

                  am 11. Mai 2019

Vorgesehen war es an der Nordseite des Tales bis zum Kageler Acker zu gehen und auf dem angrenzenden Waldweg zurück. Das haben wir auch geschafft. Ich hatte das am Dienstag in einer Vorexkursion schon erprobt.

 

Wir haben uns um 5 Uhr an der Kirche in Kienbaum getroffen, 3 Vereinsmitglieder und neun Gäste, da waren auch drei zum erstenmal bei uns dabei.    

 

Schon dort an der Kirche wurden wir Zeugen des eindrucksvollen morgendlichen Vogelkonzert, aus der Klangfülle konnte jedenfalls das kundige Ohr zuerst die fernen Rufe von Kranichen, dann die Nachtigall, Grünfink, Haussperling und Hausrotschwanz, Amsel und Buchfink, sowie einige Kuckucksrufe heraushören.   

 

Der nächste Halt war auf der kleinen Brücke, da war wieder der Vogel mit den drei bis vier durchdringenden Pfiffen, den ich schon am Dienstag nicht bestimmen konnte, (das ist mir nachher beim Rückweg gelungen).

 

Ich hatte ja auch eine Gebirgsbachstelze gesehen, ein Weibchen, nun konnten beide Partner beobachtet werden, offenbar brüten sie im Brückenbereich.                  

 

Dort haben wir einen Star an seiner Höhle in einem trockenen Baum gesehen, eine Singdrossel gehört, und einen Zaunkönig, den ersten des Tages, aber bei der weiteren Wanderung haben wir  ihn noch einigemale gehört und auch gesehen. Hier hörten wir auch die erste Mönchgrasmücke des Tages, die sang immer wieder an vielen Stellen, sie ist die häufigste Grasmücke im Tal geworden. Hier und auch später hörten wir immer wieder die Rufe der Blaumeisen und Kohlmeisen. Ebenfalls begleiteten uns die Rufe des Kuckucks.

 

Da kam auch der erste Schwarzspechtruf. Bis zur Trasse der Hochspannungsleitung hörten wir noch den Gartenrotschwanz, die selten gewordene Gartengrasmücke, Fitis und Zilpzalp, die immer wieder mal zu hören waren, sowie aus dem Kiefernwald den Pirol, Pirolrufe haben uns immer wieder auf unserem Weg begleitet. Am Rand des Tals hörten wir eine Weidenmeise. Und in den begleitenden Schilfwäldern sang ein Drosselrohrsänger, davon haben wir auch noch einige unterwegs hören und auch beobachten können, auf den höchsten Spitzen der noch trockenen Schilfhalme des Vorjahrs.

 

Zum Anfang des Weges nach der Brücke, bevor wir ihn verlassen haben und zum tieferen Bereich entlang der Löcknitz gegangen sind, kam es zu einer Häufung von Buchfinkrevieren, praktisch grenzte hier ein Revier an das andere. Später haben wir auch die sogenannten Regenrufe von einigen Buchfinken gehört.

 

Vermisst habe ich wie schon am Dienstag den Teichrohrsänger, der in den Vorjahren immer an einigen Stellen dort gesungen hat, und erst kurz vor dem Kageler Acker sang dann doch noch einer in dem dortigen Schilfbestand.

 

Gegenüber unserer Großen Wiese sang ein Schwirl, aber nicht der von mir erwartete Feldschwirl, den wir dort sonst immer angetroffen haben, sondern der eigentlich seltenere Rohrschwirl.

 

Dort sang aus einer Kieferngruppe heraus eine Tannenmeise, und hier erwähne ich die von mir bei der Exkursion immer wieder genutzte Möglichkeit, die Vogellaute mit Hilfe des neuen Kosmos-Naturführers „Was fliegt denn da“  und eines sog. Ting-Stiftes, mit dem man alle Vogelstimmen generieren kann, sofort vergleichen zu können. Denn z.B. der Ruf der Tannenmeise war mir in den letzten Jahre durch Hörprobleme nicht mehr vernehmbar, jetzt mit einen  neuen Hörgerät konnte ich ihn zwar wieder hören, aber ich wusste nicht genau, ist es eine Tannenmeise oder nicht, man vergisst ja die Vogelstimmen sowieso immer ein bisschen über den langen Winter und muss sie neu lernen, aber es war eben eine. Das kann man ruhig als guten Rat auffassen: alternde Ornithologen sollten nicht zögern, sich ein Hörgerät verpassen zu lassen, und die Anschaffung des Buches mit dem Ting-Stift ist auch für jüngere Ornithologen und Vogelbeflissene ein Gewinn!

 

Um 8 Uhr 15 waren wir am Kageler Acker angekommen und haben unsere Picknickpause eingelegt. Bei der Ankunft flogen zwei Kraniche unterhalb des Ackers von der Wiese laut rufend auf, so war es auch mir am Dienstag ergangen, ohne die Möglichkeit näher heranzukommen, die Fluchtdistanz ist nicht kleiner geworden in den Jahren wo sie nicht mehr verfolgt werden und immer häufiger geworden sind.

 

Während des Picknicks konnten wir in einem Busch am Rande des Schilfs ein Neuntöterpaar und eine Goldammer, wunderschön leuchtend in der Morgensonne, beobachten. Zwei Graugänse überflogen uns, das ist auch bemerkenswert, denn im Löcknitztal konnten bisher von uns Graugänse noch nicht beobachtet werden.

 

Beim Rückweg auf dem talparallelen Weg zeigte sich an deiner lichten Stelle im Kiefernwald ein Baumpieper.

 

Und als Krönung konnte zum Abschluss das Rätsel der schrillen Pfiffe in den Baumkronen des Erlbruchs  im Brückenbereich geklärt werden, nach dem Motto: wenn man gar nicht weiß wer da ruft ist es meist ein Kleiber! Ich habe also mit dem Ting-Stift die Kleiberstimme abgespielt, und schon der erste Ton zeigte, es ist ein Kleiber. Der allerdings war not amused über den vermeintlichen Konkurrenten in seinem Revier, und kam erregt und laut rufend immer näher heran, und ließ sich gut fotografieren.

 

Schließlich haben wir beim Rückweg oben in einem Garten noch einen Großen Buntspecht gesehen.

 

Auch das schöne Wetter muss erwähnt werden, zuerst noch etwas kühl mit Nebelbänken am Boden, dann aber nur noch Sonne und kaum Wind, also ideal zur Vogelbeobachtung. Wir haben insgesamt 34 verschiedene Vogelarten gehört oder auch gesehen.

 

Gerhard Ziebarth

Vereinsvorsitzender

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