Exkursionsberichte 2012

                              Bericht

 

       über eine naturschutzfachliche Führung einer

                 russischen Jugendreisegruppe

 

Ich hatte auf Bitten des gastgebenden Vereins Kesselberg e.V. aus Neuzittau am Donnerstag dem 16. August 2012 diese an Natur und Naturschutz interessierte fünfzehnköpfige Gruppe aus Schülern und Studenten mit ihren drei Betreuern und der Verantwortlichen des Vereins Kesselberg durch das untere Löcknitztal geführt. Die Betreuer sind  Biologen, und die jungen Menschen haben in Russland schon bei Baumpflanzaktionen in einem Biosphärenreservat Erfahrungen in praktischer Naturschutzarbeit gewonnen und konnten deshalb gut verstehen, was wir im NSG machen und warum wir es machen. Sie studieren auch alle naturschutzrelevante Fachrichtungen. Ich habe bei der Führung das NSG mit seiner Geschichte  und seinen Potentialen sowie die Ziele unseres Vereins und was wir machen  um sie zu verwirklichen vorgestellt.

 

Wir haben uns um 9 Uhr an der Großen Wallbrücke getroffen und sind am Nordufer den Wanderweg bis zu unserem Pflegeobjekt Succisa-Wiese auf dem Wanderweg gegangen, dabei wurde unterwegs an ausgewählten Stellen unsere Arbeit erklärt, naturgemäß mit dem Umweg über die Dolmetscherin, das ist eine junge Frau die Deutsch erst noch studieren wird, aber schon ganz fit ist, nur manchmal eben besonders bei Fachausdrücken nicht weiterkam, das hieß dass die Erklärungen kurz ausfallen mussten, aber es war zu kennen, dass die Jugendlichen alles verstanden haben und vor allem an unseren Themen interessiert sind. Auch die ja sehr ursprünglich erscheinende Natur des Löcknitztals hat sie beeindruckt. Das letzte Stück bis Kleinwall ging es auf ungebahnten Wegen querwaldein, weil der frühere Wanderweg in der üppigen Vegetation dieses regenreichen Frühjahrs verschwunden ist.

 

Nach einer längeren Pause in der Angelanlage Kleinwall ging es dann auf dem Waldweg über Schmalenberg zurück, wo wir uns um 14 Uhr nach etwa 10 km Wanderung teils auch auf ungebahnten Wegen an der Straße zum Bahnhof Fangschleuse getrennt haben.

 

Diese Gruppe hat nun angeboten, uns bei unserem Arbeitseinsatz am 26. August zu helfen, dafür haben wir die organisatorischen Voraussetzungen schon geschaffen.

                                    Bericht

 

                über die Botanik-Exkursion in das

                                 NSG Löcknitztal

 

Am Sonntag, dem 10. Juni 2012 um 9 Uhr trafen sich 6 Mitglieder und 5 Freunde des Vereins in Kienbaum an dem kleinen Parkplatz am Ortsausgang in Richtung Hangelsberg. Das Ziel der Exkursion in das NSG war keine vollständige Erfassung der Arten auf bestimmten Standorten, sondern es sollten nur die auffälligen Pflanzen benannt oder bestimmt werden, wobei es auch darauf ankommen sollte, die Methodik der Pflanzenbestimmung nach der Bestimmungsliteratur zu erleben.

 

Der erste Standort war das kleine Kliff, oder auch die Schaftränke, aber weil schon seit langer Zeit keine Schafe mehr hier trinken ist die frühere Sandstelle weitgehend zugewachsen. Um eine Bank herum gibt es eine gemähte Stelle mit angrenzender Wiesenvegetation.

 

Als erstes wurde ein unverwechselbares Gras gezeigt: Gewöhnliches Knaulgras, Dactylis glomerata, die Ährchen sind gehäuft in dicken Ähren angeordnet, die unterste Ähre steht abgesetzt an längerem Stängel mehr oder weniger wagerecht vom Hauptstängel ab.

Überall blühte der Gewöhnliche Giersch, Aegopodium podagraria, ein Doldenblüter mit rundlichen Dolden und flächigen, nur einfach fiederteiligen Blättern.

Die Acker-Kratzdistel, Cirsium arvense, blühte noch nicht, war aber wegen der stachelspritzigen Blätter und Stängel unverkennbar.

Ebenfalls noch nicht blühend stand in der Wiese der Wiesen-Bocksbart, Tragopogon pratensis, erkennbar an der länglichen Knospe ohne Einschnürung unter den Kronblättern.

Häufig war auch der Wiesen-Sauerampfer, Rumex acetosa, mit der typischen Thyrse und den sauer schmeckenden pfeilförmigen Blättern.

Der Scharfe Hahnenfuß, Ranunculus acris, wurde durch seinen aufrechtem Wuchs und die ungeteilten flächigen Blätter erkannt.

An trockeneren Stellen stand die Gewöhnliche Grasnelke, Armeria elongata, mit der an einem langen Stiel stehenden kugeligen lila Blüte und den pfriemenförmigen Blättern.

Überall blühte der Gamander-Ehrenpreis, Veronica chamaedris, von den anderen Ehrenpreisarten leicht an den zwei Haarleisten an den Stängeln zu unterscheiden.

Das Acker-Hornkraut, Cerastium arvense, wurde durch seinen weiße Blüten, deren Blütenblätter nur zu etwa einem Drittel eingeschnitten sind und wo zwischen den Blütenblättern die Kelchblätter nur ganz wenig hervorragen, erkannt, von den Mieren, die ähnlich aussehen, unterscheiden sich die Hornkräuter durch die nur höchstens bis zu Hälfte ausgeschnittenen Kronblätter.

Über das charakteristische Gänseblümchen, Bellis perennis, waren sich alle einig.

Ein Gras mit walzlicher Ähre erwies sich als Wiesen-Fuchsschwanz, Alopecurus pratensis, vom ähnlichen Wiesen-Lieschgras dadurch zu unterscheiden, dass die einzelnen Ährchen beim Zurückbiegen der Ähre nicht aussehen wie ein Stiefelknecht.

Ein hohes aufrechtes Gras mit lockerer Ähre war der Glatthafer, Arrhenaterum elatius, auffällig durch die lange gekniete Granne.

Das Echte Labkraut, Galium verum, zeigt sich durch seine goldgelben zahlreich zusammengedrängt stehenden Blüten und durch den charakteristischen Geruch.

Das Gänse-Fingerkraut , Potentilla anserina, hat zwar die charakteristischen fünfzähligen gelben Blüten eines Fingerkrauts, aber nicht die handförmig geteilten Blätter, sondern Blätter mit einer Mittelachse und gegenständigen Blättchen.

In der Löcknitz schwamm die Gelbe Teichrose, Nuphar lutea, und im Uferbereich stand das Gewöhnliche Schilf, Phragmites australis, beide unverwechselbar.

 

Wir sind dann weitergegangen zu dem sich leicht erhöht anschließenden Trockenrasen. Da fielen zuerst auf die aufrecht an langen Stängeln stehenden blauen Blüten des Berg-Sandknöpfchens, Jasione montana, die so groß ausgefallen waren, dass wir zum Bestimmungsbuch greifen mussten, aber durch den verzweigten und mehrblütigen Blütenstand wurde die Art eindeutig charakterisiert.

Zahlreich fanden sich die noch nicht blühenden hohen Blütenstände der Rispen-Flockenblume, Centaurea stoebe, mit dem stark verzweigten Blütenstand.

Häufig war auch die Acker-Witwenblume, Knautia arvensis, durch die endständige lila Scheibenblüte und die geteilten Stängelblätter gekennzeichnet.

Häufig war auch der Natternkopf, Echium vulgare, mit den in Wickeln angeordneten rot-blauen Blütenkerzen.

Auch die bekannte Cypressen-Wolfsmilch, Euphorbia cyparissias, mit den gelben rötlich  überhauchten Blüten war häufig.

Am angrenzenden Waldrand stand der Bittersüße Nachtschatten, Solanum dulcamara, mit den violetten Blüten mit dem auffallenden gelben Staubgefäß.

Auf dem größten Teil der Fläche dominierte ein Gras: das Gewöhnliche Ruchgras, Anthoxantum odoratum, ein niedriges Gras mit aufrechten Stängeln und einer kurzen walzlichen spitzen Ähre.

Natürlich kommt auch der Feld-Beifuß, Artemisia campestris, vor, die dünn beblätterten Stängel entspringen alle in einem Punkt, die reife Pflanze bricht dann leicht ab und es bildet sich ein kugelförmiges Gebilde, das der Wind bewegt: ein sogenannter Steppenläufer.

Auf einigen Stellen wächst das Ruprechtkraut, Geranium robertianum, auch Stinkender Robert genannt, mit den kleinen rötlichen Blüten.

Der Scharfe Mauerpfeffer, Sedum acre, begann gerade erst zu blühen, vom ähnlichen Milden Mauerpfeffer unterscheidet er sich durch dickere am Grunde nicht gespornte Blätter.

Auch der Spitzwegerich, Plantago lanceolata, wurde gefunden, durch die schmalen Blätter unterscheidet er sich von den anderen Wegerichen.

Überall leuchteten die aus einer Grundrosette entspringenden niedrigen gelben Blüten des Kleinen Habichtskrauts, Hieracium pilosella.

Reichlich gab es auch das Gewöhnliche Ferkelkraut, Hypochoeris radicata, das allerdings noch nicht blühte, die Rosette mit den dicht behaarten Blättern zeigt die Art an.

Im hinteren Teil der Fläche dominierte stellenweise das Rote Straußgras, Agrostis capillaris, ein zierliches Rispengras mit rot überlaufenen Ähren.

Auf den trockensten Stellen fand sich das Silbergras, Corynephorus canescens, mit matt blau-grünen bereift aussehenden steif aufrecht stehenden Blättern.

Die Sand-Strohblume, Helichrysum arenarium, blühte auch noch nicht, verriet sich durch die bläulich bereiften Blätter.

Vereinzelt trat der Reiherschnabel, Erodium cicutarium, auf, mit den rötlichen Blüten und den langen spitzen Samen.

An den vielfach gefiederten Blättern wurde die nur gelegentlich blühende Schafgarbe, Achillea millefolium, erkannt.

Die Schmalblättrige Wicke, Vicia angustifolia, hat nur einen zweiblütigen Blütenstand, die Blüten stehen in den Achseln der zierlich gefiederten Blätter mit Endranke.

Die Kahle Gänsekresse, Arabis glabra, mit aufrechten Kerzen ist an den glattrandigen unbehaarten Blättern zu erkennen, die den Stängel öhrchenartig umfassen.

Der rötlich schimmernde Kleine Sauerampfer, Rumex acetosella, bedeckte größere Flächen.

Das gilt auch für die kleinblättrigen Polster von Sand-Thymian, Thymus serpillum.

 

Wir konnten dort auch zwei Zaun-Eidechsen, Lacerta agilis, sehen, ein Männchen mit grüner Zeichnung an der Körperseite und ein einfarbiges Weibchen, in ihrem typischen Biotop.

 

Wir sind dann weiter gegangen zur Doppelwiese, einem unserer Pflegeobjekte. Sie ist auch in diesem Jahr wieder üppig bewachsen. Diese Wiese wird sonst besonders in ihrem östlichen Teil von Schlangen-Wiesenknöterich,  Bistorta officinalis, aspektbildend beherrscht, er tritt in diesem Jahr zwar auch auf, aber wesentlich weniger häufig.

Gerade beim Blühbeginn, er wird dann gelb blühen, ist der zahlreich auftretende hohe Gewöhnliche Gilbweiderich, Lysimachia vulgaris.

Über die ganze Fläche findet sich die Bach-Nelkenwurz, Geum rivale, mit ihren unscheinbaren rötliche Blüten und den auffälligen gefiederten Samenständen.

Ebenfalls über die ganze Wiese verteilt stand das Echte Mädesüß, Filipendula ulmaria, mit den schon im nichtaufgeblühtem Zustand auffälligen Blütenständen, gekennzeichnet durch das einfach gefiederte Blatt mit dem dreigeteilten großen Endblatt.

Auffällig ist auch die Wald-Simse, Scirpus sylvaticus, durch ihre breiten Blätter und dem in einem Hochblatt stehenden schopfigen Blütenstand.

Das gelb blühende Tüpfel-Hartheu, Hypericum maculatum, als Johanniskraut bekannt, wird durch die ganzrandigen drüsig punktierten Blätter und den ungeflügelten Stängel erkannt.

In der Untervegetation gelb blühend fand sich der Sumpf-Hornklee, Lotus pedunculatus, von den anderen Hornkleearten durch den hohlen Stängel leicht zu unterscheiden.

Häufig war auch der Sumpf-Schachtelhalm, Equisetum palustre, mit gefurchtem Stängel und braunen Scheidenzähnen.

Dann stießen wir endlich auf die erste Orchidee, das Breitblättrige Knabenkraut, Dactylorhiza majalis, mit den breiten gefleckten Blättern, das in wenigen Exemplaren über die Wiese verteilt war.

Vereinzelt fand sich auch die Blutwurz, Potentilla erecta, ein Fingerkraut, die gelben Blüten haben in Gegensatz zu den meisten anderen Fingerkräutern nur vier Blütenblätter.

Überall blühte auch die Kuckucks-Lichtnelke, Lychnis flos-cuculi, jedes der fünf rosa Kronblätter ist vierfach gezipfelt.

Zur Löcknitz hin trat noch nicht blühend der durch seine hohen schmalen Blätter charakterisierte Schmalblättrige Rohrkolben, Typha angustifolia, auf.

Aus den charakteristischen Rosetten der Sumpf-Kratzdistel, Cirsium palustre, begannen die später blütentragenden Stängel gerade erst aufzusteigen, sie können dann leicht anderthalb Meter hoch werden, die Blätter und die am Stängel herablaufenden Leisten sind stachelspitzig.

Häufig war auch der Sumpffarn, Thelypteris palustris, auch Sumpflappenfarn, die Wedel stehen einzeln an einer unterirdisch verlaufenden Sprossachse.

Im Röhricht an verschiedenen Stellen blühte die unverwechselbare gelbe Wasser-Schwertlilie, Iris pseudacorus.

Schon durch den feuchten Standort und die stielrunden Stängel verriet sich das blau blühende Sumpf-Vergissmeinnicht, Myosotis scorpioides.

Am zentralen alten Entwässerungsgraben stand der Fluss-Ampfer, Rumex hydrolapathum, auch als Hoher Ampfer bekannt, leicht an  den bis zu einem Meter aufrecht stehenden hohen breiten Blättern zu erkennen.

Vor allem in den Randbereichen stand der Gewöhnliche Blutweiderich, Lythrum salicaria, der aber noch nicht blühte, und an den gegenständigen knospentragenden Verzweigungen erkannt werden kann.

Die auffälligen bis zu einem Meter hohen Bulten am Rand der Wiese und am Entwässerungsgraben bildet die Rispen-Segge, Carex paniculata, mit ihren kräftigen Rispen und scharfkantigen Blättern.

 

Während unserer Botanisiererei hörten wir natürlich auch die Vögel singen: im Röhricht sangen Drosselrohrsänger und Teichrohrsänger, und als absolute Sensation hörten wir aus der Wiese einige Zeit die Knarrlaute des Wachtelkönigs, es ist die zweite uns bekannte Beobachtung dieses seltenen Vogels im Löcknitztal, man bekommt ihn fast nie zu sehen, aber um so deutlicher ist das  charakteristische Knarren, sein anderer Name ist auch  Wiesenknarrer, in der Literatur wird die Stimme als „hölzern schnarrende Doppellaute“ beschrieben.

 

Dann sind wir etwa 100 m zur Großen Wiese gelaufen, an der Teilwiese vorbei, wo die Sibirische Schwertlilie, Iris sibirica steht, sie war schon lange abgeblüht, es wurden nur 5 noch unreife Samenkapseln tragende Stängel und viel vitale Blätter gefunden,

dort konnte noch gezeigt werden die Wiesen-Platterbse, Lathyrus pratensis, zweiblättrige Blattfiedern mit Endranke,

dann die Sumpf-Gänsedistel, Sonchus palustris, an der graugrünen Blattfärbung konnte sie auch im nichtblühenden Zustand gut erkannt werden,

ebenfalls die Kohl-Kratzdistel, Cirsium oleraceum, auch im knospigen Zustand schon an dem großen weißlichen Blütenstand erkennbar,

und das  Gewöhnliche Helmkraut, Scutellaria galericulata, auch Kappen-Helmkraut genannt, durch die Form und Größe der kleinen blauen Blüten gegen andere Helmkräuter abgegrenzt.

 

Dann ging es weiter entlang des Erlbruchs, der dazwischen ist, dort wurden noch gezeigt:

die Wiesen-Glockenblume, Campanula patula, hellblaue große Blüten mit ausgebreiteten Kronblattzipfeln,

und das an nährstoffreiche Standorte angepassten Schöllkraut, Chelidonium majus, gelb blühend, jedem Gartenbesitzer als lästiges Unkraut bekannt,

dasselbe gilt für die Vogelmiere, Stellaria media, die von den anderen ähnlichen Mieren durch die zwei Haarleisten an den Stängeln gut unterscheidbar ist,

und die weißblühende Knoblauch-Rauke, Alliaria petiolata, die aber schon abgeblüht hatte.

 

Auf der Großen Wiese haben wir viele der schon gezeigten Pflanzen natürlich wiedergefunden, zusätzlich wurden noch bestimmt

der Sumpf-Storchschnabel, Geranium palustre, vom dem ähnlichen Wald-Storchschnabel durch das nur zipfelige und nicht bis zum Grunde geteilte Blatt unterscheidbar, der in Übrigen in Norddeutschland nicht vorkommt,

die Sumpf-Platterbse, Lathyrus palustris, mit purpurnen Blüten, schon an den Blättern von anderen Platterbsen unterscheidbar: die Einzelblättchen stehen entlang der Blattachse mehr oder weniger senkrecht nach oben,

und die Wilde Engelwurz, Angelica sylvestris, mit den einfach gefiederten nur schwach gekerbten Blättern.

 

Wir haben natürlich dort nach den Orchideen gesucht, und etwa ab der Waldkante hinter der Freifläche auch reichlich gefunden, und zwar nicht nur das Breitblättrige Knabenkraut, Dactylorhiza majalis, sondern auch mehrere Exemplare von Steifblättrigem Knabenkraut, D. incarnata, mit gut ausgebildeten Merkmalen.

 

Dort haben wir gegen 12 Uhr die Exkursion beendet und sind auf dem Waldweg oben zurück gegangen. Da lief uns ein Buchfinkmännchen über den Weg, das sich auch greifen ließ, (siehe das angehängte Foto), er schien nicht verletzt. Hier muss man wissen, dass Kleinvögel 3 bis 5 Jahre alt werden, wenn sie das erste Jahr überhaupt überstehen, und dann eben irgendwann mal sterben, meist unauffällig in irgendeinem Winkel, wo sie auch bald von einem Futterverwerter gefunden werden, das würde wohl auch bei diesem Vogel so gewesen sein.

 

Zum Schluss noch die Sache mit dem Meier, Asperula: mir wurde ein Trieb einer Pflanze mit wirteligen Blättern und weißen vierzähligen Blüten vorgelegt, also muss es der Hügel-Meier, A. cynanchica sein, denn der Färber-Meier. A. tinctoria, hat ja nur drei Kronblätter. Das leuchtete mir ein, aber ich hatte insoweit einen Block, dass sich nicht erkannt habe, dass es sich um ein Labkraut gehandelt hat, das ich jetzt natürlich nachträglich aus dem Gedächtnis nicht bestimmen kann. Asperula ähnelt Galium, sie sind auch verwandt, beide gehören zu den Rötegewächsen, aber die Blüten der Galium-Arten sind flach mit ausgebreiteten Kronblattzipfeln, während bei den Asperula-Arten die Kronröhre länger als die Kronzipfel ist. Im Übrigen ist im Löcknitztal bisher nur A. tinctoria gefunden worden.

 

Soweit zu den Ergebnissen unserer Exkursion, die Pflanzennamen sind die gültigen aus dem Rothmaler, 71 Arten wurden erkannt oder bestimmt und erklärt, das ist für drei Stunden eine ganze Menge. Für die, die sich jetzt wundern, dass ich so ausführlich auf die einzelnen Merkmale eingegangen bin, und nicht nur eine Pflanzenliste gebracht habe: Jeder der es will kann diese Exkursion so nachvollziehen, und für mich ist es eine willkommene und auch nötige Übung vieles wieder in mein Gedächtnis zurückzuholen, das sich über den Winter verflüchtigt hat.

 

Zum Abschluss noch das Ergebnis der Orchideenzählung auf der Grabenwiese, die ich am 12. Juni gemacht habe: auf der im vorderen Bereich sehr feuchtem Wiese kam ich auf 285 Exemplare von Breitblättrigem Knabenkraut, Dactylorhiza majalis, das ist etwa die Hälfte der Anzahl im vorigen Jahr, ich habe auch schon mal 900 gezählt. Wahrscheinlich vertragen die Orchideen die Dauerüberstauung nicht und setzen mit dem Blühen auch mal aus, das ist nicht ungewöhnlich.

                                       Bericht

 

           über unsere Exkursion zu den Großtrappen im                         Havelländischen Luch

 

Am 5. Mai 2012 fuhren wir mit 14 Teilnehmern in 5 PKW´s, davon 8 Vereinsmitglieder, in das Havelländische Luch nach Buckow, einem Ortsteil von Nennhausen. Dort befindet sich eine der Naturschutzstationen Brandenburgs, sie bestand schon zu DDR-Zeiten mit dem Hauptziel der Erhaltung eines der letzten Großtrappenvorkommens in Deutschland. Unter der Leitung von Dr. Litzbarski wurde schon damals mit Erfolg versucht, durch Absprachen mit den Landwirten die Bedingungen für die Fortpflanzung der Großtrappen in freier Natur zu erhalten, aber auch durch Erbrütung von Eiern aus verlassenen oder bedrohten Nestern und mühsame Aufzucht der Jungen von Hand, die dann ausgewildert wurden, den Bestand zu stärken. Heute werden die Landwirte über Vertragsnaturschutz eingebunden, und auch mit Jägern gibt es Vereinbarungen zur Dezimierung der Beutegreifer. Der Verein hat auch seinen wichtigen Beitrag geleistet beim naturverträglichen Bau der das Trappengebiet zerschneidenden Eisenbahnlinie Berlin-Hannover, durch begleitende Wälle wird verhindert, dass überfliegende Trappen vom Zug erfasst werden.

 

Das Gebäude, in dem wir dann zuerst einen guten Vortrag von einem Mitglied des Fördervereins Großtrappen e.V.über die Trappen hörten,  wurde in seinem Kern schon zu DDR-Zeiten in ehrenamtlicher Arbeit teilweise aus Abrisssteinen errichtet, wir kennen ja so was alle noch aus den alten Zeiten. Heute wird die Station von dem Förderverein und dem Land Brandenburg betrieben.

 

Es gibt dort auch eine gute Ausstellung über den Trappenschutz, und eine Reihe von Präparaten von Vögeln des Luchs, die nicht so verstaubt sind, wie man es oft erleben muss.

 

Zwischen den Orten Buckow und Garlitz gibt es am Rand der Wiesen, wo sich die Trappen zur Balz aufhalten, zwei Beobachtungstürme, die jedermann kostenlos besuchen kann, mit Parkplätzen, um Spenden wird gebeten, es gibt dort oben eine Spendenbox. Wir hatten aber eine Führung mit dem Förderverein vereinbart, und zwei Mitglieder des Vereins begleiteten uns auf die Aussichtsplattform. Dort oben waren außer uns noch andere Besucher, so dass es ganz  schön eng wurde. Vom Verein wurde ein Spektiv gestellt, aber viele Besucher hatten gleichfalls ihre Fernrohre mitgebracht, so dass jeder der es wollte nicht nur durch Ferngläser sondern auch mit den Fernrohren die Großtrappen  anschauen konnte, denn es waren natürlich welche da: 8 Männchen und ein Weibchen konnten in aller Ruhe beobachtet werden. Die Balz selber fiel leider aus, denn es regnete ständig, und da die Männchen beim Balzen ihr Gefieder ja völlig umdrehen, würde es in ihr Kleingefieder reinregnen und das mögen sie gar nicht. Aber trotzdem war der Eindruck, den die großen Vögel auf uns machten, sehr stark.

 

Neben dem Turm war ein Teich  mit Büschen, und auf einem trockenen Holunder saß eine Nachtigall und sang mindestens eine Viertelstunde, wir konnten sie gut hören und auch beobachten, denn sie saß ganz frei in 20 Metern Entfernung auf  dem höchsten Punkt des Busches.

 

Eine weitere Attraktion war ein Wiesenweihenmännchen, dass in mittlerer Entfernung in einem großen Halbkreis um den Turm herumflog, alle konnte den Vogel sehen, und den charakteristischen Schaukelflug mit den V-förmig aufgestellten Flügeln in natura erfahren.

 

Nach einer knappen Stunde haben wir zusammen den Turm verlassen und sind,  jeder für sich, wieder die 120 km nachhause gefahren.

                                     Bericht

 

                 über die Vogelstimmenexkursion 2012

 

Am 29. April 2012 fanden sich 14 interessierte Vogelfreunde, davon 6 Vereinsmitglieder und 8 Gäste, die wir schon aus den vergangenen Jahren fast alle als ständige Teilnehmer unserer Exkursionen kennen, unter der Führung durch den Vereinsvorsitzenden um 5 Uhr in Kleinwall ein.

 

Unsere Route führte uns am Südufer der Löcknitz teilweise auf ungebahnten Wegen durch eine Landschaft, die durch den Übergangsbereich vom abwechslungsreichen Forst zu den ufernahen  Randsümpfen und Erlenbrüchern und Wiesen charakterisiert ist. Jahrzehntelange Nichtnutzung hat eine Landschaft entstehen lassen, die den Eindruck von Ursprünglichkeit hat, obwohl sie ja durch Nutzung und folgende Nichtnutzung entstanden ist. Immer wieder führte die Route an die reichlich mäandrierende Löcknitz heran.

 

Insgesamt wurden auf der etwa 6 km langen Tour 29 Arten beobachtet, bei manchen Arten konnte der Gesang deutlich vorgeführt werden, auch die Verhaltensweisen und das Aussehen in den noch unbelaubten Zweigen der Bäume und Büsche. Andere wieder ließen sich nur ein einziges Mal hören oder nur kurz und flüchtig sehen. Dass nicht alle Teilnehmer jeden der 29 Arten sehen oder hören konnten liegt in der Natur der Dinge.

 

In Kleinwall am Beginn sang ganz nahe die Nachtigall, dort waren auch Hausrotschwanz, Kohlmeise, Amsel und Buchfink zu hören (die drei Letzteren wurden natürlich noch oft unterwegs beobachtet),  auch der Kleiber rief aus den hohen Bäumen hinter dem Gebäude der alten Mühle. Schon dort hörten wir lebhafte Kranichrufe von ziemlich nahe, etwa in Höhe der Fischteiche, auch unterwegs riefen Kraniche an mehreren Stellen. Schon dort, wie auch oft unterwegs, konnten wir die Mönchgrasmücke hören und auch beobachten. An der ersten Böschung nach der Wiese bei Kleinwall flog unten an der Löcknitz ein Waldwasserläufer ab, den konnte leider nur der Exkursionsführer sehen, weil er schnell abgeflogen ist, charakterisiert durch die Limikolengestalt und den weißen Bürzel. Dort hatten wir auch eine Sichtbeobachtung eines überfliegenden Kranichs.

 

Zilpzalp und Fitis ließen sich an vielen Stellen der Strecke hören, ebenso die Blaumeise. Nur einmal hörten wir den Kuckuck rufen. Praktisch überall konnten wir Ringeltauben hören und auch einige Mal sehen, Kolkraben überflogen uns und wir hörten sie rufen, Nebelkrähen waren vor allem an der großen Försterwiese zu sehen.

 

Rotkehlchen und Zaunkönig hörten wir nur wenige Male, obwohl sie im Gebiet häufig sind. Öfters haben wir Buntspechte gesehen und trommeln und rufen gehört, auch der Grünspecht rief und wir konnten ihn abfliegen sehen, und die Rufe des Schwarzspechtes waren auch zu hören. Am Rand einer Fichtenschonung hörten wir die feinen Rufe des Sommergoldhähnchens.

 

An der großen Försterwiese hatten wir einen schön zu beobachteten Überflug eines Fischadlers. Auch ein Rotmilan konnte dort beim Flug beobachtet werden. Vorher bei einem Durchblick durch einen Erlbruch auf die Löcknitz sahen wir drei Schellenten, ein Männchen und zwei Weibchen.

 

Auf dem Rückweg zuerst an der Gastrasse und dann den Waldweg nach Kleinwall zurück konnten wir zuerst eine Goldammer sehr schön sehen, die auf der obersten Spitze einer kleinen Fichte saß, dann im Kiefernaltholz einen Baumpieper mit seinem typischen Singflug beobachten, und im Buchenunterstand den Waldlaubsänger den wir beim Hinweg schon gehört hatten  auch beim Singflug sehen.

 

An drei Stellen fanden wir Gewölle, weißlich, 3 bis 5 cm lang, an beiden Enden spindelförmig, nach meinen Recherchen im Buch von Robert März „Gewöll- und Rupfungskunde“, einem Standardwerk von 1987, kommt am ehesten die Waldohreule infrage, aber das ist nicht  sicher.

 

Gleich zu Beginn der Exkursion, also bevor es so richtig hell wurde, haben wir in Kleinwall Dutzende von Fledermäusen oben am Mühlengebäude ununterbrochen ein- und ausfliegen sehen, die Art konnten wir natürlich  nicht bestimmen, aber es war ein besonderes Erlebnis.

 

Unterwegs konnten wir an einer Stelle markierte Bäume des sog. Methusalem-Projektes sehen, damit werden pro Hektar Waldfläche vier Bäume geschützt, die ihr natürliches Alter erreichen sollen. Ob es opportun ist, gleich 10 Bäume nebeneinander so zu zeichnen, muss offen bleiben.

 

Einige Altkiefern waren aus der Zeit der Harzung übrig geblieben, die charakteristischen Lachten, also die aufgerissenen Flächen, sind ja sehr auffällig, auch ein Glastopf, mit dem früher das Harz aufgefangen worden ist, lag noch dort. Wer sich für die Harzung interessiert kann im Heimatmuseum Mönchwinkel Näheres darüber erfahren, wofür und in welchem Umfang zu Zeiten der DDR geharzt wurde. Ein Besuch in diesem Museum ist auch sonst zu empfehlen für jeden, der sich für alte Geräte und die Lebensweise der Menschen hier in der Gegend in früheren Jahren interessiert.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© IG Löcknitztal e.V.