Höhere Pflanzen und Farne

 

 

Frank Zimmermann, Rainer Ziebarth & Armin Herrmann

 

Insgesamt konnten an diesem Tag 382 höhere Pflanzenarten im Naturschutzgebiet Löcknitztal nachgewiesen werden, das sind etwa 2 Drittel der jemals im Gebiet gefundenen 560 Arten.Besonders erfreulich dabei ist die recht hohe Anzahl von Pflanzenarten (120), die in Brandenburg in der Roten Liste der gefährdeten Gefäßpflanzen (RISTOW et al. 2006) als mehr oder weniger stark gefährdet gelten. Wesentlicher Grund hierfür ist die noch sehr hohe Naturnähe vieler Lebensräume, v.a. der Löcknitz mit entsprechenden Begleitbiotopen, sowie der angepassten Nutzung einiger besonders wertvoller Wiesen. Trotz aller negativer Veränderungen, die v.a. mit der Nutzungsauflassung von Wiesen und dem Austrocknen von Mooren in Zusammenhang stehen, konnten einige besonders wertvolle Bereiche erhalten und teilweise sogar wieder im Zustand verbessert werden.

 

Eine Besonderheit des Gebietes sind v.a. die artenreichen Feuchtwiesen unterschiedlicher
Ausprägung (vgl. ZIEBARTH & ZIEBARTH 1988; ZIEBARTH & GELBRECHT 1996). Besonders bemerkenswert ist der Artenbestand in den quelligen Feuchtwiesen am Nordrand des Gebietes bei Kienbaum. Pflanzengesellschaften der Kohldistelwiesen (Polygono-Cirsietum oleracei), der Seggenriede (Caricetum paniculatae, Caricetum appropinquatae) und der Kalkbinsenriede (Juncetum subnodulosi) sind hier eng miteinander verzahnt und weisen eine Reihe bemerkenswerter Arten auf. Neben dem immer seltener werdenden Schlangenknöterich (Bistorta officinalis) sind dies Breitblättriges und Steifblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis, D. incarnata) und deren Hybrid (D. x aschersoniana) sowie und Stumpfblütige Binse (Juncus
subnodulosus), allesamt in Brandenburg stark gefährdete Arten (RL 2).

 

Sumpfdreizack (Triglochin palustre) und Sumpf-Sitter (Epipactis palustris), die ZIEBARTH & GELBRECHT (1996) als verschollen aufführten, konnten erfreulicherweise aktuell wieder gefunden werden.


Die Pfeifengraswiesen im Löcknitztal sind in diesem Jahr sehr trocken, allerdings sind für diese Pflanzengesellschaft (Molinietum caeruleae) wechselnde Feuchtigkeitsverhältnisse durchaus typisch und bei geeigneter Pflegemahd unproblematisch. Einige wertbestimmende Arten wie die in Brandenburg vom Aussterben bedrohte Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica, RL 1) und weitere, überwiegend stark gefährdete Arten wie Teufels-Abbiss (Succisa pratensis), Heilziest (Betonica officinalis), Schopf-Kreuzblümchen (Polygala comosa), Natternzunge (Ophioglossum vulgatum) und Prachtnelke (Dianthus superbus) konnten während der Exkursion bestätigt werden. Früher hier vorkommende Raritäten wie Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Lungen-Enzian (Gentiana
pneumonanthe) sind leider teilweise schön länger verschwunden.

 

Das Postluch als mesotroph-saures Zwischenmoor weist in diesem Jahr einen seit längerem wieder höheren Wasserstand auf und zeigte zur Exkursion sich teilweise regenerierende Torfmoosdecken mit Sphagnum fallax und Sph. papillosum. Auch der Sumpfporst (Ledum palustre) konnte bestätigt werden. Am Rande eines Moorgebüsches gelang der Wiederfund des einige Jahre nicht bestätigten Kamm-Wurmfarns (Dryopteris cristata).


Die sandigen, nährstoffarmen Randbereiche des NSG Löcknitztal weisen an wenigen Stellen weitere Besonderheiten der Flora auf, die während des GEO-Tages der Artenvielfalt auch bestätigt werden konnten. Erfreulich war die Bestätigung des vom Aussterben bedrohten Dänischen Tragant (Astragalus danicus) an 4 Stellen. Mit dem Grünlichen Wintergrün (Pyrola chlorantha), dem Dolden-Winterlieb (Chimaphila umbellata) und dem Birngrün (Orthilia secunda) konnten auch drei der in ganz Brandenburg weiter im Rückgang begriffenen Wintergrüngewächse (Pyrolaceae) im Gebiet bestätigt werden.

 

RISTOW, M., HERRMANN, A., ILLIG, H., KLÄGE, H.-C., KLEMM, G., KUMMER, V., MACHATZI, B., RÄTZEL, S., SCHWARZ, R. & ZIMMERMANN, F. 2006: Liste und Rote Liste der etablierten Gefäßpflanzen Brandenburgs. Natursch. Landschaftspfl. Brbg. 15 (4), Beilage. 163 S.


ZIEBARTH, R. & GELBRECHT, J. 1996: Flora und Vegetation der Löcknitzniederung. In: DRIESCHER, E. & GELBRECHT, J. (Gasteditor): Die Löcknitz und ihr Einzugsgebiet. – Beiträge zur angewandten Gewässerökologie Norddeutschlands 1996 (3): 3-114.


ZIEBARTH, G & ZIEBARTH, R. 1988: Das NSG Löcknitztal – eine Bestandsaufnahme. (hektogr. Mskr.). IG Löcknitztal im Selbstverlag, Erkner.

 

 

 

 

 

 

 

 

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